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Reiserecht

Schadensersatz entgangene Urlaubsfreude wegen ausgefallener Reise

Landgericht Hannover mit Urteil vom 07.10.2019, Az.: 1 O 49/18:

Fällt eine gebuchte Pauschalreise wegen eines von dem Reisveranstalter zu vertretenem Umstand aus, können die Reiseteilnehmer unter bestimmten Umständen Schadensersatz von weit über 50 % des Reispreises geltend machen.

Reisende können, wenn eine Pauschalreise vereitelt oder beeinträchtigt wird, wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.

Wie hoch die Entschädigung ausfällt, wenn die Reise wegen eines von dem Reisveranstalter zu vertretenem Umstand ausfällt, ist umstritten. Grundsätzlich besteht in der Rechtsprechung weitgehend Einigkeit darüber, dass sich die Höhe des Schadensersatzes anhand des Reisepreises bemisst.

Nach der Rechtsprechung des BGH’s beträgt der Schadensersatzanspruch im Falle einer komplett ausgefallenen Reise grundsätzlich nicht mehr ein 50 % des Reisepreises.

Zu Zahlung eines Schadensersatzes von über 50 % ist der Reisveranstalter nur dann verpflichtet, wenn weitere Umstände hinzutreten, aus denen sich eine über das normale Maß hinzutretende Beeinträchtigung der Reisenden ergibt.

Einen derartigen Fall hat das Landgericht Hannover mit Urteil vom 07.10.2019, Az.: 1 O 49/18 bejaht und den Reisenden als Schadensersatzes über 50 % des Reispreises zugesprochen.

Denn in dem zu entscheidenden Fall haben die Reisenden erst am Flughafen erfahren, dass die Reise ausfallen wird. Sie haben damit „nutzlose“ Zeit in die Vorbereitung der Reise investiert und mussten eine „sinnlose“ An- und Abfahrt in Kauf nehmen. Den Reisenden ist es damit praktisch unmöglich gemacht worden, in ihrem Urlaubszeitraum eine „Ersatzreise“ zu finden. Ferner war zu berücksichtigen, dass einer der Reisenden unter einer schweren chronischen Erkrankung leidet und er daher vermutlich in seinem Leben nicht noch einmal die Möglichkeit haben wird, mit seinen Freunden eine Reise zu unternehmen. Die Reise hatte für ihn mithin einen großen ideellen Wert, der zu berücksichtigen gewesen ist.

Das Landgericht sprach dem schwer erkrankten Reiseteilnehmer daher als Schadensersatz ca. 91 % und den weiteren Reiseteilnehmern ca. 73 % des Reisepreises als Schadensersatz zu.

Möchten auch Sie prüfen lassen, ob Ihnen gegen Ihren Reiseveranstalter eine Entschädigung zusteht und diese durchsetzen, stehen wir Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung.

Ihr Rechtsanwalt Alexander Lühnsdorf
Stand: 06.11.2019
 

Erschienen am