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Besonderheiten zur Gewährleistung beim Kauf hochpreisiger Dressurpferde

Obwohl die gleichen Vorschriften des BGB wie bei anderen Kaufsachen gelten, hat der Pferdekauf verschiedene Besonderheiten. Diese führen regelmäßig zu Rechtsstreitigkeiten und haben unterdessen zu einer diffizilen Rechtsprechung geführt.

Ein Problem ergibt sich daraus, dass als Eigenschaft des Tieres, die einen Sachmangel begründen kann, auch das „Verhalten“ zählen kann (etwa bei sogenannten Rittigkeitsproblemen) sowie der Ausbildungsstand des Tieres. Ein anderer großer Problemkreis ergibt sich daraus, dass die Preis- und Wertbildung beim Pferdemarkt sich an einer sogenannten „physiologischen Idealnorm“ orientiert, also an den idealweiser einem Pferd der betreffenden Rasse zugeschriebenen Anlagen, Eigenschaften sowie körperlichen Ausbildungen. Die Natur produziert aber keine „Idealpferde“, sodass nahezu bei jedem Tier Abweichungen von der „idealen Norm“ auftreten, auf die dann der Markt mit Wert- und Preisabschlägen reagiert. Umstritten ist, ob und in welchem Umfang eine solche Abweichung vom „Idealpferd“ bzw. der „physiologischen Idealnorm“ zur Sachmangelhaftung führt. Trotz der üblichen Ankaufsuntersuchungen (zumindest bei hochpreisigen Pferden), stellen sich solche Abweichungen von der Idealnorm häufig erst später heraus. Etwa aus Anlass einer tierärztlichen Untersuchung werden häufig auch bei einem gesunden, keine Auffälligkeiten zeigenden Pferd geringste Abweichungen in sogenannten Röntgenbefunden entdeckt. Hier entspricht es allerdings der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, dass trotz der Maßgeblichkeit für Wert- und Preisbildung solche Abweichungen von der „physiologischen Norm“ bzw. solche Abweichungen „Idealpferd“ im Regelfall keinen Sachmangel begründen, wenn diese Abweichung ohne jegliche klinische Auswirkung bleibt. Ein Käufer könne nämlich nicht redlicherweise erwarten, dass ein Tier in jeder Hinsicht „idealen“ Anlagen und Ausbildungen entspreche. Klargestellt hat dies der BGH ausdrücklich selbst für hochpreisige Dressurpferde (BGH, Urteil vom 18.10.2017 - VIII ZR 32/16). Anderes gilt nur dann, wenn man explizit bestimmte Erscheinungen oder bestimmte Eigenschaften explizit als Beschaffenheitsvereinbarung vereinbart. Hat man eine solche Beschaffenheitsvereinbarung aber nicht geschlossen, kann man selbst bei hochpreisigen Dressurpferden nicht erwarten, dass sie in jeder Hinsicht dem Leitbild des „Idealpferdes“ entsprechen.


Dr. Torsten Schmidt
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
Fachanwalt für Agrarrecht

Rechtsanwälte Dr. Schmidt & Günther,
Ringstr. 18-20, 04703 Leisnig

www.schmidt-guenther-rechtsanwaelte.de
 

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