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Neue Informationen zum Konkursverfahren der Keyco AG

Seit die Anleger – oftmals durch Anschreiben der Staatsanwaltschaft St. Gallen und nicht durch ihren Vermittler – erfahren haben, dass im Februar 2018 auf Betreiben der Schweizer Aufsichtsbehörde das Konkursverfahren über die Keyco AG in Wil (Schweiz) eröffnet wurde, müssen sie um ihr Erspartes fürchten. Mit einem Rundschreiben vom 11.07.2021 gibt die Konkursliquidatorin nun aktuell Einblicke in die Vorgänge bei der Keyco AG und deren Umfeld.

Während den Anlegern von ihrem Vermittler häufig die Anlage bei der Keyco AG als sichere Kapitalanlage empfohlen wurde, ergibt sich aus dem Rundschreiben Folgendes:

Aufgrund des Verdachts einer unbewilligten Banktätigkeit der Keyco AG setzte die eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA im Dezember 2016 einen Untersuchungsbeamten ein, der anstelle der Organe für die Keyco AG allein zu handeln ermächtigt wurde. Gegenüber diesem Untersuchungsbeauftragten erklärte der CEO der Keyco AG, Herr August Fiechter, die Geschäftsakten seien ausschließlich elektronisch aufbewahrt worden und aufgrund eines Hackerangriffs im Herbst 2016 nicht mehr vorhanden. Anhand der Buchhaltungsunterlagen und eingeforderter Bankunterlagen stellte der Untersuchungsbeamte eine unbewilligte Banktätigkeit bei der Keyco AG fest.

 Mit Verfügung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA vom 15. Februar 2018 wurde über die Keyco AG der Konkurs eröffnet, weil diese ohne die erforderliche Bankerlaubnis Publikumseinlagen entgegengenommen hatte. Die Gesellschaft wird nur zum Zweck der Konkursliquidation unter der Firma 'Keyco AG in Liquidation' weitergeführt. Frau RAin Tatjana von Kameke wurde als Konkursliquidatorin eingesetzt.  

Die Gelder der Anleger wurden keinesfalls sicher angelegt. Nach Angaben des Herrn Fiechter sollen primär Partizipationsscheine der mit der Keyco AG verbundenen Gesellschaft Inofina AG gekauft worden sein. Zudem seien im Namen und auf Rechnung der Kunden auch Nachrangdarlehen bei der Keyco GmbH im deutschen Oberaurach gezeichnet worden. Im Jahr 2015 seien rund 4.000.000 CHF an die Keyco GmbH überwiesen worden. Die Keyco AG habe mit der Keyco GmbH die Anlage der Gelder für 10 bzw. 15 Jahre vereinbart, ein Zeichnungsschein existiere aber nicht. Den Kunden sei ein direktes Forderungsrecht gegenüber der Keyco GmbH eingeräumt worden. Nach den Feststellungen der Liquidatorin haben sich diese behaupteten Geschäftstätigkeiten allerdings nicht bestätigt. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte in den Geschäftsunterlagen über Partizipationsscheines der Inofina AG oder Nachrangdarlehen der Keyco GmbH. Anlegern war hierzu auch nichts bekannt. Ursprünglich war auch die Keyco AG Gesellschafterin der Keyco GmbH. Herr Fiechter war zudem bis zum 17.02.2017 auch Geschäftsführer der Keyco GmbH. Die Keyco GmbH verweigert die Aufklärung des Sachverhalts zu den angeblichen Nachrangdarlehen.

 

Kundengelder wurden nach den Feststellungen der Liquidatorin nicht angelegt, sondern -soweit noch vorhanden- einfach als liquide Mittel auf den Bankkonten der Keyco AG stehen lassen. Eine Anlagestrategie oder eine Geschäftstätigkeit, die die Auszahlung einer Rendite erlaubt hätte, gab es somit nicht. Die auf den versandten Saldobestätigungen an die Anleger ausgewiesenen Renditen waren Scheingewinne. Die Keyco AG verzeichnete ab 2013 nur Verluste.  Der einzig größere Vermögenswert, der von der Konkurs Liquidatoren eingezogen werden soll, ist eine Forderung i.H.v. 2.145 Mio. CHF gegen die verbundene Gesellschaft Inofina AG. Die Einbringlichkeit dieser Forderung ist jedoch ungewiss. Die Inofina AG befindet sich ebenfalls in Konkurs.

Gerne  stehen wir zum Erfahrungsaustausch mit Betroffenen zur Verfügung und beraten Sie über juristische Handlungsmöglichkeiten.

 Frau Rechtsanwältin Sandra Schmitt -Fachanwältin für Bank-und Kapitalmarktrecht- ist Ansprechpartnerin bei der Kanzlei Dr. Waldhorn & Partner Rechtsanwälte mbB unter Telefon-Nr. 0931/322963 und E-Mail-Adresse post@kanzlei-waldhorn.de

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