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Heimliches Mitschneiden von Personalgesprächen

Das heimliche Mitschneiden von Personalgesprächen war in den letzten Jahren wiederholt Gegenstand arbeitsgerichtlicher Entscheidungen.

1. Mobbing als Ausgangssituation für heimliche Aufzeichnungen
Nicht selten erleben es Mitarbeiter, dass sie von Kollegen oder Vorgesetzten gekränkt werden. Der Betroffene empfindet die Demütigung als Angriff auf seinen Stolz. Er ist in seinem Selbstwert erschüttert, vor allem, wenn er die Demütigung öffentlich erfährt. Aber auch in Personalgesprächen fallen mitunter verletzende Äußerungen, die zu erheblichen psychischen Belastungen führen können. Immer häufiger reagieren Arbeitnehmer damit, dass sie derartige Gespräche heimlich mit dem Smartphone aufzeichnen, um im Ernstfall etwas gegen den Vorgesetzten oder Arbeitgeber in der Hand zu haben.

2. Generelles Verbot von heimlichen Mitschnitten
Das heimliche Mitschneiden des Personalgesprächs verletzt das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Gesprächsteilnehmer. Dieses Grundrecht gewährleistet auch das Recht auf Wahrung der Unbefangenheit des gesprochenen Worts, nämlich selbst zu bestimmen, ob Erklärungen nur den Gesprächspartnern, einem bestimmten Kreis oder der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten. Das Aufnehmen des nichtöffentlichen Wortes auf einen Tonträger wie auch der Gebrauch solcher Aufnahmen stellt deshalb sogar eine Straftat dar, was häufig verkannt wird.

3. Fristlose Kündigung bei heimlichem Mitschnitt
Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Mainz ist die heimliche Aufnahme eines Personalgesprächs grundsätzlich geeignet, eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen (Urteil vom 03.02.2016 - 7 Sa 220/15). Das Landesarbeitsgericht Frankfurt hat in einem aktuellen Fall (Urteil vom 23.08.2017 - 6 Sa 137/17) ebenfalls die Rechtmäßigkeit einer fristlosen Kündigung eines Arbeitnehmers bestätigt, der über eine Betriebszugehörigkeit von 25 Jahren verfügte.

Rechtsanwalt Stefan Günther
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Rechtsanwälte Dr. Schmidt & Günther
Ringstraße 18-20, 04703 Leisnig
 
Erschienen am (Bearbeitet am 20. Juli 2021 )