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Kündigung von Air Berlinern - Ihre Rechte

Bis zu 1.400 Mitarbeiter/innern sind derzeit von einer Kündigung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft bedroht, ...

Kündigung  von Air Berlinern – Ihre Rechte

 

Bis zu 1.400 Mitarbeiter/innen sind derzeit von einer Kündigung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft bedroht, weitere  Arbeitnehmer/innen können auf Übernahme durch den Lufthansakonzern oder eine neue  Stelle im Rahmen der Jobbörsen hoffen.

Auf welche Rechte können Sie bestehen?

1.    Kündigungsschutzklage

Nach Erhalt einer Kündigung sollten Betroffene binnen 3 Wochen Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben. Die Klage kann auf folgende wesentlichen Kriterien gestützt werden:

a)    Keine Betriebsbedingtheit

An dieser Stelle scheitert bereits die Vielzahl der Kündigungen, da es dem Arbeitgeber zumeist nicht gelingt, darzulegen, dass ausgerechnet der Arbeitsplatz des Einzelnen aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Wegfall geraten ist. Auch eine Insolvenz ist nicht automatisch Grund genug.

b)   Sozialauswahl

Hier ist die Kündigung auf Fehler bei der Auswahl  vergleichbarer Arbeitnehmer, wie Dauer der Beschäftigungszeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten oder Schwerbehinderung zu prüfen.

c)    Verhältnismäßigkeit

Einige Kündigungen sind nach Abwägung von Interessen des Arbeitgebers und Arbeitnehmers unverhältnismäßig.

d)   Verstoß gegen § 613a BGB

Keinesfalls darf wegen eines Betriebsüberganges, also bei Übergang einer wirtschaftlichen Einheit, gekündigt werden.

Der Vorteil eines Klageverfahrens kann in einer umfassenden Regelung aller Rechte bestehen. Soweit der Arbeitsplatz also nicht erhalten bleibt, werden Urlaubsansprüche, Zeugnisansprüche neben einer höchstmöglichen Abfindung geregelt. Außergerichtliche Einigungen bergen die Gefahr einer vom Arbeitsamt auferlegten Sperrfrist.

2.    Übernahme

Was ist bei einer Übernahme des Arbeitsverhältnisses, z.B. durch Lufthansa, zu beachten? Grundsätzlich ist ein Arbeitnehmer bei einem echten Betriebsübergang nicht verpflichtet, einen neuen Arbeitsvertrag mit dem Übernehmer zu schließen. Oftmals sind die Altarbeitsverträge viel günstiger, was zu prüfen ist. Besonders wichtig ist auf die Beibehaltung der Betriebszugehörigkeitsjahre zu achten.

Auch bei Neuverträgen im Rahmen der Angebote durch die eingerichteten Jobbörsen wäre dies ein empfehlenswertes Verhandlungsziel, gerade auch in Anbetracht des suggerierten Personalbedarfs.

3.    Kosten

Nicht Rechtsschutzversicherte, die auch nicht der Gewerkschaft angehören, sind nicht schutzlos.  Sie  können einen Antrag auf Prozesskostenhilfe für gerichtliche Verfahren stellen, der bei geringen Einkünften und Vermögen erfolgreich beschieden werden kann.

Susann Kracht-Vorholzer

Fachanwältin für Arbeitsrecht

 

Erschienen am

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