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Rechtsanwälte und Fachanwälte Braetsch, Jessen & Partner, Rechtsanwälte PartG

Verhalten im Schadenfall

Was kann ich selbst tun, wenn ich Opfer eines Behandlungsfehlers geworden bin?

Verhalten im Schadenfall

Sie haben den Verdacht, dass Sie Opfer eines Behandlungsfehlers geworden sind und fragen sich, was Sie jetzt tun sollen oder tun könnten. Ob mit oder ohne Anwalt können Sie:

  • ein Gedächtnisprotokoll anfertigen, in dem Sie die Ereignisse mit Datum/Uhrzeit schildern (insbesondere auch Ihren Zustand vor und nach der Behandlung),
  • eine Liste anfertigen mit den Namen und Anschriften der Behandler, Vorbehandler und Nachbehandler,
  • Einsicht in die Krankenunterlagen erbitten (die regelmäßig gewährt wird, indem man Ihnen gegen Zahlung einer Kopierkostenpauschale Kopien schickt),
  • Ihren Nachbehandler nach seiner Meinung fragen,
  • Ihre Krankenversicherung von dem Verdacht informieren und fragen, ob diese ein (für Sie kostenloses) Gutachten durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen anfertigt,
  • bei der für Sie zuständigen Schlichtungsstelle der Ärztekammern ein (z.B. vor der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern für den Patienten kostenloses) Schlichtungsverfahren beantragen, die ggf. auch ein Gutachten anfertigen lässt,
  • ein Anspruchsschreiben gegenüber der Gegenseite formulieren,
  • die Presse informieren,
  • Strafanzeige erstatten.

Das Gedächtnisprotokoll und eine Liste der Beteiligten wird Ihnen in jedem Fall helfen, egal zu welchen weiteren Schritten Sie sich entscheiden. Diese Daten sind immer wieder wichtig und eine Übersicht ist praktisch. Soweit Sie einen Anwalt in Anspruch nehmen, sollten Sie mit diesem die weiteren Schritte erörtern, also das Einholen der Krankenunterlagen oder die Anfertigung von Gutachten.

Sollten Sie sich (z.B. mangels Rechtsschutzversicherung aus Kostengründen) dafür entscheiden, zunächst ohne Anwalt vorzugehen, sollten Sie in jedem Fall Einsicht in die Krankenunterlagen nehmen: Bitten Sie den Behandler um Einsicht in die Krankenunterlagen und bitten Sie ihn darum, Ihnen gegen Zahlung einer angemessenen Kopierpauschale Kopien der vollständigen Krankenunterlagen zu überlassen. Grundsätzlich besteht zwar nur ein Anspruch auf Einsicht vor Ort. Praktisch, jedenfalls wenn in der Praxis ein Kopiergerät verfügbar ist, wird die Einsicht aber durch Überlassung von Kopien zu gewähren sein. Wenn Sie erst die Krankenunterlagen haben , können Sie einzelne Fragen mit Ihrem Nachbehandler erörtern oder den gesamten Vorgang zur Prüfung der Krankenversicherung oder der Schlichtungsstelle vorlegen. Soweit ein für Sie vorteilhaftes Gutachten vorliegt, sollten Sie (auch ohne Rechtsschutzversicherung) noch einmal das Einschalten eines Anwaltes zur Formulierung eines Anspruchsschreibens erwägen.

Grundsätzlich ist eine dreijährige Verjährungsfrist zu beachten, die am Ende des Jahres beginnt, in dem man Kenntnis von der Schädigung hat. Die Presse einzuschalten mag als ein wirksam Erscheinen, indes muss man in Kauf nehmen, auch selbst mit einem entsprechenden Foto/Interview ins Licht der Öffentlichkeit gerückt zu werden. Von einer Strafanzeige sollte nur im äußersten Fall Gebrauch gemacht werden. Die Beschlagnahme der Krankenunterlagen durch die Staatsanwaltschaft blockiert zunächst einmal das zivile Vorgehen.
 

Erschienen am 14. Januar 2011