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Die Grillsaison beginnt, aber der Ärger ist meist vorprogrammiert

Endlich ist es soweit: Im Supermarkt gibt es Maibock zu kaufen, die Fleischtheke lockt mit marinierten Steaks und Grillwürsten und die Sonne strahlt wieder vom Himmel. Also heißt für viele das Motto: Ran an die Holzkohle und erstmal ein ordentliches Stück Fleisch auf den Grill schmeißen. Für den einen lesen sich diese Zeilen wie ein Traum. Die anderen –meist die Nachbarn- fühlen sich bei den beschriebenen Szenen eher an einen Albtraum erinnert. Der Streit mit den Nachbarn scheint vorprogrammiert.

Und das vor allem auch aufgrund der undurchsichtigen und ungeklärten
Rechtslage. Zwar haben sich bereits etliche Gerichte mit der Problematik des
Grillens auf dem Balkon bzw. in einem kleinen Garten mit angrenzenden
Nachbarn auseinandersetzen müssen. Jedoch wurde bislang keine eindeutige
Regelung geschaffen. Entscheidend sind jeweils die Umstände im Einzelfall.
Generell gilt, dass das Grillen erlaubt ist, solange niemand gestört wird. Doch
wo fängt Störung an und wo endet die Überempfindlichkeit der Nachbarn?
Zuerst einmal muss gefragt werden, was den Nachbarn eigentlich stört. Stellt
dieser darauf ab, dass er sich durch die Grillgerüche von gegrilltem Fleisch
etc. gestört fühlt, so ist dem Nachbarn entgegenzuhalten, dass diese
Gerüche auch bei normalem Kochen in der Küche entstehen.
Geht es dem Nachbarn auch um den mit den verzehrten Würstchen und
getrunkenem Bier gesteigerten Lärm, sieht die Rechtslage schon anders aus.
Insoweit sollte man sich auf eine angemessene Lautstärke beschränken.
Darüber hinaus sind die allgemein üblichen Ruhezeiten (13.00 - 15.00 Uhr
und 22.00 - 7.00 Uhr) einzuhalten.
Das meist größte Problem besteht aufgrund der Geruchsbelästigung wegen
des Qualms. Dieser entsteht vor allem, wenn mit Holzkohle gegrillt wird. Die
Gerichte entschieden in solchen Fällen höchst unterschiedlich. Die
Entscheidungen bzgl. des erlaubten Grillens variieren zwischen lediglich
sechs Stunden pro Jahr, zweimal im Monat und im Einzelfall sprachen Richter
sogar aus, dass es auch bei 16-maligem Grillen an einer erheblichen
Beeinträchtigung fehlen kann.
Mein Tipp: Benutzen Sie einen Elektro-Grill, wenn sie darauf angewiesen sind
in direkter Nachbarschaft bzw. auf einem Balkon zu grillen oder reduzieren
Sie ihre Grillabende auf ein erträgliches Maß. Für diejenigen, die auf das
echte Grillgefühl bei einem Holzkohlegrill nicht verzichten wollen, empfiehlt
es sich, immer eine Extra-Wurst für den Nachbarn parat zu haben, um diesen
schnell besänftigen zu können.

Erschienen am 18. Januar 2011