PDF downloaden
Rechtsanwälte activeLaw Klein.Offenhausen

Schlecker-Kündigungen:

Was können Betroffene tun?

Schlecker: Kündigung erhalten? Was können Betroffene tun?

Es ist nun amtlich:

Ca. 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von der Insolvenz der Schlecker-Kette in Form von Massenkündigungen betroffen.

Wie nun können/sollen/müssen die Betroffenen in dieser Situation reagieren?

Sollten Sie eine Kündigung erhalten haben, wird dies in der Regel eine betriebsbedingte Kündigung sein. Da die Firma Schlecker über mehr als 10 Arbeitnehmer verfügt, ist in diesem Fall das Kündigungsschutzgesetz anzuwenden. Das bedeutet im Klartext, dass bei jeder einzelnen Kündigung eine ordnungsgemäße Sozialauswahl stattfinden muss. Dazu müsste der Insolvenzverwalter, der seit Insolvenzeröffnung verfügungsberechtigt für die Firma Schlecker ist, folgende Kriterien berücksichtigt haben:

Das Alter der Beschäftigten
Die Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit
Unterhaltspflichten
Behinderungen etc.

Es ist leicht zu erkennen, dass anhand dieser Kriterien für so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine ordnungsgemäße Sozialauswahl wohl nicht immer bis ins letzte Detail stattgefunden haben wird – um es einmal vorsichtig auszudrücken -. Aus der Natur dieser Problematik ergibt sich für jeden einzelnen Betroffenen, dass er mit einer Kündigungsschutzklage gute Erfolgsaussichten hat, dass seine Kündigung als unwirksam angesehen werden könnte. Daraus wiederum ergibt sich, dass das Gehalt weiter gezahlt werden muss und Sie weiterbeschäftigt werden müssen. Im Zuge dessen ist es auch sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten Tagen Angebote von zum Beispiel der Firma Rossmann oder DM oder anderer gleichwertiger Mitbewerber geprüft werden. Dabei ist es wichtig für Sie zu wissen, dass bei einer Übernahme auch im Rahmen der Regeln des Betriebsübergangs gem. § 613 a BGB die Beschäftigten mit übernommen werden müssen. Aus diesem Grunde ist es für Sie dringend anzuraten, eine Kündigungsschutzklage einzureichen. Was nun haben Sie bei einer Kündigungsschutzklage zu beachten und welche Risiken können diese in sich bergen:

Sobald Sie die Kündigung nachweislich erhalten haben und damit der Zugang erfolgt ist, haben Sie drei Wochen Zeit, eine Kündigungsschutzklage einzureichen. Tun Sie dieses nicht, wird die Kündigung als rechtmäßig erachtet und ein rechtliches Vorgehen dagegen ist nicht mehr möglich oder nur in Ausnahmefällen.

Zum finanziellen Risiko ist zu sagen:

Erstens ist es so, dass im Arbeitsrecht ungeachtet der Tatsache, wer obsiegt oder unterliegt, jeder seine Rechtsanwaltskosten selbst trägt. Davon abgesehen würde das gerichtliche Verfahren für Mitarbeiter, die ca. 2.000,00 € brutto monatlich verdienen, ca. 1.000,00 € kosten. Diese Angabe erfolgt ohne Gewähr und muss für jeden Einzelfall besprochen werden. Daneben besteht die Möglichkeit, dass einzelne Mitarbeiter rechtsschutzversichert sind oder aber Prozesskostenhilfe gewährt bekommen. In diesem Fall übernehmen die Rechtsschutzversicherungen oder aber die Staatskasse die Kosten dafür.

Zusammengefasst bedeutet das, folgendes zu beachten:

Ist es in meinem Fall angeraten, eine Kündigungsschutzklage einzureichen?

Ist eine angebotene Abfindungszahlung angemessen?

Könnte ich im Rahmen einer Kündigungsschutzklage auch eine Weiterbeschäftigung erwirken?

Im Rahmen dieser Fragestellung und auch im Hinblick auf die Existenz Ihres Arbeitsplatzes kann ich nur empfehlen, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn die aufgezeigten Problematiken sind nur beispielhaft und bruchteilhaft dargestellt. Es gilt jeden Einzelfall im Detail zu überprüfen und dann die Strategie mit jedem einzelnen Mandanten festzulegen.


 

Erschienen am 2. April 2012