PDF downloaden
Notare Rechtsanwälte Fachanwälte Steuerberater Pfeiffer Link & Partner

ARBEITSRECHT: Grundrecht auf Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz schütz vor fristloser Kündigung

Dem Autor des Romans „Wer die Hölle fürchtet, kennt das Büro nicht!„ war seitens seines Arbeitgebers fristlos gekündigt worden, weil dieser zu große Ähnlichkeiten zur eigenen Firma sah ...

Dem Autor des Romans „Wer die Hölle fürchtet, kennt das Büro nicht!„ war seitens seines Arbeitgebers fristlos gekündigt worden.

In dem Vorwort des inzwischen als Bestseller geführten Buches über den Protagonisten Jockel wird ausgeführt:

In dieser Geschichte geht es um Personen und Handlungen, die natürlich frei erfunden sind. Sollte Euch vielleicht doch die eine oder andere Person erstaunlich bekannt vorkommen, kann das nur daran liegen, dass es wohl in jeder Firma einen Kollegen gibt, auf den die überzeichnete Beschreibung meiner Charaktere passen könnte. Ihr könnt Euch ja einfach Eure Kollegen in diese Geschichte hineindenken, dann wird es sicher noch amüsanter für Euch. Doch in Wirklichkeit kann es solche merkwürdigen Figuren ja gar nicht geben, oder...?"

Der Arbeitgeber des Autors aus der Möbelindustrie sah in dem Werk dann doch zu große Ähnlichkeiten zur eigenen Firma und amüsierte sich ganz und gar nicht. Statt dessen sprach er die fristlose Kündigung aus.

Hiergegen erhob der Autor mit Erfolg Kündigungsschutzklage zum zuständigen Arbeitsgericht Herford, welches die Kündigung als unwirksam ansah, weil eine Verletzung von dem Arbeitnehmer obliegenden Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis heraus nicht zu erkennen sei.

In dem Buch selbst würden weder die Persönlichkeitsrechte der Geschäftsleitung noch von Kolleginnen und Kollegen verletzt. Eine derartige Persönlichkeitsrechtsverletzung sei nur dann gegeben, wenn ganz klar erkennbar die vermeintlich Betroffenen zum Gegenstand einer medialen Darstellung gemacht werden, wobei selbst dann noch einmal genau die Wechselwirkung der Grundrechte auf Kunstfreiheit einerseits und das Persönlichkeitsrecht andererseits geprüft werden müssen.


Der hohe Stellenwert der Kunstfreiheit muss in jedem Fall berücksichtigt werden. Das Arbeitsgericht attestierte dem Autor ferner, dass sein Roman nicht konkret auf seinen Arbeitgeber zugeschnitten sei und gewisse Ähnlichkeiten naturgemäß in vielen Firmen zu finden seien. (Arbeitsgericht Herford, Aktenzeichen: - 2 Ca 1394 / 10 -).


Wer sich also zum Schriftsteller berufen fühlt muss nicht gleich um seinen Arbeitsplatz fürchten.

Ulf Linder, Magister rer. publ.
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Pfeiffer Link & Partner
Notare  Rechtsanwälte  Fachanwälte  Steuerberater

 

www.pfeiffer-link.de

Erschienen am 24. Juni 2011